Donnerstag, 9. Februar 2017

Die gesäumten Paduaner

Farbschläge für Züchter mit guter Beobachtung und Fingerspitzengefühl
Es ist erstaunlich: Die Rasse Paduaner ist schon über 600 Jahre alt und fasziniert seither durch ihren besonderen Ausdruck und ihr einnehmendes Wesen.

Auch nach so langer Zeit sind die Paduaner immer noch so vital wie eh und je und das dürfte auch der Grund sein, dass sie zwar etliche Krisen durchgemacht haben, aber auch immer wieder zu neuen Höhepunkten ihrer langen Geschichte gelangt sind. Seit etwa 20 Jahren ist deutlich geworden, dass die Paduanerzucht erfreulicher Weise wieder mehr Freunde gewinnt, und die Rasse sich so weiterentwickeln kann.
Um 1900 waren die Paduanerzüchter auf die Linie zur heutigen Zuchtrichtung eingeschwenkt. Damals waren die Hauben noch nicht so kugelförmig wie heute, und oft auch noch gescheitelt.
Insbesondere die Hähne zeigten noch ungeordnete, strahlenförmige Hauben. Bei ihnen waren meistens noch Kammhörner bzw. wulstige Fleischauswüchse vor der Haube zu finden, was bis heute vorkommt. Vor dem Hintergrund, dass Tiere mit Kammansatz von jeher zu den vitalsten gehören, sollte solche Nebensächlichkeiten –sofern sie geringer Natur sind- nicht überbewertet werden.



Die Paduaner sind mittelgroß, leicht gebaut, zeigen sich in Landhuhnform mit kecker, aufrechter Haltung, mittelhohem Stand, voller Rundhaube und dichtem Bart sowie gut entwickeltem, glatt anliegendem Gefieder. Dazu sind sie von ruhigem zutraulichem Wesen.

Die gesäumten Farbenschläge
Bei den Paduanern sind gleich vier gesäumte Farbschläge anerkannt: Silber-Schwarzgesäumt, Gold-Schwarzgesäumt, Chamois-Weißgesäumt und Blaugesäumt.

Unter Säumung versteht man eine Zeichnung, bei der die Feder, vollständig von einem andersfarbigen Saum eingefasst ist. Dieser soll möglichst gleichmäßig breit -nicht zu schmal, aber auch nicht zu breit- sein. In idealer Ausprägung ist der Saum bei den meisten Rassen, wie auch bei den Paduanern von intensiver Farbe. 


Die Gold-schwarzgesäumten Paduaner zeigen ein gold-ockerfarbiges, ovales Zentrum in der Feder, versehen mit einer schwarzen Säumung. Beim Farbenschlag Chamois-Weißgesäumt finden wir statt dem braun, ein ledergelb mit weißer oder cremefarbiger Säumung, bei den silber-Schwarzgesäumten ein rein weißes Zentrum mit einer schwarzen Säumung und bei den blaugesäumten ein taubenblaues Zentrum mit dunkelblauer Säumung.

Sehr häufige Fehler bei den gesäumten Farbausprägungen sind Ruß, Moos, Pfeffer und Vorsaum. Die Zeichnung greift in Form von Sprenkeln und Flecken in das Zentrum über. Ein weiter grober Fehler ist die Halbmondsäumung bzw. Hufeisenzeichnung oder Tropfen. Man versteht darunter eine Verdickung an der Federspitze. Ebenso als Fehler zu bewerten ist eine Doppelsäumung, bei der die Saumzeichnung in der Feder wieder kehrt. 

Qualität erkennen und gezielt selektieren für die Zucht
Für eine geeignete Zuchttierauswahl ist ein guter Brustsaum der bis in die Unterbrust reichen sollte, ein wichtiges Kriterium. Beim Hahn ist insbesondere auch auf möglichst saubere Binden zu achten um die wertvollsten Tiere für die Zucht zu selektieren. Gut gesäumte Schwanzdeckfedern und Sicheln sind meist vorhanden, doch darauf zu achten ist ebenso empfehlenswert. 








Der Saum der Haube -am besten sichtbar- steht mit dem übrigen Gefieder in Zusammenhang. Zeigen Hähne und auch Hennen einen Vorsaum, so wird die Haube auch Vorsaum zeigen. Zu dunkle Brust und Schenkel sowie schwerer (breiter) Saum zeigen sich fast immer in Verbindung mit schlecht gezeichneten, fast zu farbigen Hauben und Schwänzen der Hähne. Das Verlockende an der gesäumten Paduanerzucht ist, dass man die Farbschläge“ Gold“ und „Silber“ bzw. „ Gold“ und „Chamois“ miteinander verpaaren kann. “Chamois“ mit „Silber“ verpaart ergibt dagegen farblich unbrauchbare Nachzucht. Diese Verpaarungen muss man aber überlegt vornehmen, denn sie bergen Gefahren in sich. Während man die Chamoisfarbe mit „Gold“ aufbessern kann, bringen die „Goldenen“ den „ Silbernen“ verstärkt gelben Anflug.

„Goldene“ lassen in der Intensität der Zeichnungsfarbe nach und werden lehmig, wenn man sie mit „Silber“ verpaart. Kreuzt man einen „Goldenen“ Hahn mit einer „Silbernen“ Henne, erhält man sofort „Goldene“ Hennen, während die Hähne eine unreine Silberfarbe haben und nach beiden Seiten verwendbar sind. Verpaart man reinerbige chamois-weißgesäumte Paduaner mit goldschwarzgesäumten, bekommt man nur chamois-weißgesäumte Tiere, denn „Chamois“ Paduaner besitzen Erbfaktoren, die das Schwarz, das unter dem Rahmweiß vorhanden ist, verdrängen. Diese Tiere sind aber alle spalterbig für „Gold-Schwarzgesäumt“. Verpaart man sie untereinander erhält man 75 Prozent Chamois-weißgesäumte und 25 Prozent gold-schwarzgesäumte Nachzucht. Die Paarung eines spalterbig chamois-weißgesäumten mit einem Gold-schwarzgesäumten ergibt 50 Prozent spalterbige Chamois- Weiß-gesäumte und 50 Prozent reinerbig gold-schwarzgesäumte Nachkommen. „Goldene“ Tiere, die von spalterbigen Chamois-oder Silberpaduanern fallen, sind fast ausnahmslos Hennen.



Die gesäumten Farbschläge der Paduanerhühner sind zweifelsohne echte „Hingucker“ und dazu sehr spannend in der Zucht. Sie bergen jedoch auch einiges an Herausforderungen für den Züchter. Idealismus und dazu etwas Fingerspitzengefühl sollte ein Paduanerzüchter mitbringen, um mit dieser alten, außergewöhnlichen Kulturrasse Erfolge zu erringen.

Ein Beitrag von Jürgen Käs