Donnerstag, 16. Juni 2016

Ran an die fachliche Einschätzung

Wertvolle Tipps und kritische Begutachtung
bei der Jungtierbesprechung des SV

Am 11.-12. Juni fand in Hartmannsdorf die Sommertagung des Sonderverein (SV) der Haubenhühner und Seltenen Hühner statt. Im Mittelpunkt des jährlich stattfindenden Treffens stand die Jahreshauptversammlung, der fachliche Austausch und natürlich die Jungtierbesprechung mit den Experten des SV.

Die fachliche Einschätzung von Qualitäten und Wünschen heranwachsender Jungtiere ist eine spannende und zugleich auch teilweise schwierige Angelegenheit.
Da ist es gerade bei den seltenen Rassen äußerst hilfreich Experten zur Hand zu haben, die mit geschultem Blick und zielsicherer Einschätzung beratend zur Seite stehen können.


Nicht nur Neulinge lernen hier stetig dazu. Selbst erfahrene Züchter, die bereits einen Blick für die Vorzüge und Wünsche haben können hier durch fachlichen Austausch hervorragend profitieren und darüber hinaus auch ihre Erfahrungen an Nachwuchszüchter weitergeben.

Mit etwas Erfahrung lässt sich bereits auch bei Jungtieren das Farbbild Chamois-Weißgesäumt in weiten Teilen beurteilen und auch der Aufbau / Ausprägung der Haube und Protuberanz einschätzen.




Bei den Sultanhühnern ist unter anderem auf eine saubere Zehentrennung zu achten und auch ein deutlich ausgeprägtes Hufeisen sollte ein rassetypisches Tier zeigen.

Ob Paduaner, La Flèche, Sultanhühner oder unsere anderen Haubenhühner und seltenen Rassen – um Zuchtverbesserungen zu erzielen und die Rassen in Qualität zu erhalten muss ein Züchter/in die Feinheiten der rassetypischen Merkmale kennen und einschätzen lernen.

Herzlichen Dank an unsere Experten und Sonderrichter, die bei der diesjährigen Jungtierbesprechung hierbei erneut sehr hilfreich waren!


Titel Deutscher Meister/in

Besonders erfreulich war in diesem Jahr der Tagungsordnungspunkt Ehrungen bei der Jahreshauptversammlung. Hier konnte der 1. Vorsitzende des Sondervereins Jochen Schmauch gleich zwei Meisterbänder überreichen.



  • Deutsche Meisterin, Paduaner schwarz, Heike Grimm
  • Deutscher Meister, Appenzeller Spitzhauben silber-schwarzgetupft, Lothar Fucker
Wir gratulieren den Zuchtfreunden Heike Grimm und Lothar Fucker herzlich zu ihren errungenen Meistertiteln und wünschen allen Züchterinnen und Züchtern eine erfolgreiche Aufzuchts- und Ausstellungssaison.

Donnerstag, 5. Mai 2016

30 Jahre Houdanzucht

Ein Erfahrungsbericht von Zuchtfreund Eduard Miebach
Ich möchte mit diesem Bericht keine Musterbeschreibung kopieren, sondern von meinen Zuchterfahrungen erzählen. Im Jahre 1956 bekam ich von S.V.-Mitglied Kasper Henneken aus Herne meine ersten 2,3 Houdan gescheckt; aber nur unter der Bedingung, dass ich Mitglied im SV der seltenen Hühnerrassen werde.

Mit Hilfe erfahrener Züchter des SV erreichte ich den jetzigen Stand meiner Zucht.

Zwischen den Houdan damals und heute besteht ein großer Unterschied.
Houdan, schwarz-weiß gescheckt, Tiere und Bilder von Magnus Erdtmann


Die Elterntiere meiner ersten 2,3 Houdan waren im 2 Jahr schon fast weiß, was heute nicht mehr der Fall ist. Die Tiere der Jahre 1955 bis1960 waren durchweg als Jungtiere schon reichlich hell, sie hatten weniger Körpervolumen, meistens schlechte Zehentrennung und lose, teils sogar offene Hauben. Diese Kritik an meinen damaligen Tieren stammt nicht von mir, sondern von unserem Altmeister Heinrich Bruse. Er war in unserem Ortsverein über 10 Jahre lang als Preisrichter tätig und er hat dafür gesorgt dass ich damals die Freude an den Houdan nicht verloren habe. Im Jahre 1963 war ich dann nach meiner Meinung endlich so weit, meine Tiere außerhalb des Kreisverbandes zeigen zu können. Bei eisiger Kälte, aber mit großen Hoffnungen zog ich mit 7 gemeldeten Houdan zur 44. Nationalen nach Stuttgart. Am Tag nach der Bewertung war ich etwas enttäuscht, denn die Tiere der bekannten Züchter Hans Schierloh und Mamme Mammen waren höher bewertet, als meine. Die Bewertungskritik sagte aus, dass meine Tiere zwar in Haube, Farbe und Zehentrennung gefielen, jedoch durchweg zu leicht waren. Der Hahn von Schierloh, den ich zwei Jahre zuvor eingestellt hatte, brachte nicht den erhofften Erfolg. Ich muss hier noch erwähnen, dass meine Hähne damals recht gute Kämme hatten.

In meiner Zucht musste etwas geschehen, wenn ich erfolgreich konkurrieren wollte - aber was?

Auf der Heimfahrt von der 44. Nationalen kamen Zuchtfreund Bruse und ich zur Überzeugung, dass „Blutsauffrischung“ mit Lachshühnern wohl angebracht sei. Sofort im 1. Jahr nach der Einkreuzung einer Lachshenne hatte ich klotzige Formenhennen, die natürlich auch fleißig legten. Diese F1 -Hennen waren im 1. Jahr schwarz, hatten durchweg einen Schopf, nach hinten geteilten Kamm, vollen Bart und die typische Zehenbildung. Die anfangs noch bestrumpften Läufe treten bei F3-Tieren nur noch selten auf und wann, dann sind sie leicht zu putzen. Die Scheckung ist bei der, F3- Generation bei ca. 50% schon sehr gut, dagegen werden Haube und Kamm erst ab F5-6. Ordentlich. Bei der Züchtung habe ich selbstverständlich immer einen reinen 1,0 Houdan mit bestem Kamm und großer Haube eingesetzt.

Nach 7 Jahren zeigten sich die ersten Erfolgreichen aus der Einkreuzung

Ab 1970/71, also nach 7 Jahren zeigte ich die ersten Erfolgreichen aus der Einkreuzung. Nach 10 Jahren hatte ich dann vermutlich einmal beim Schlupf nicht aufgepasst, sodass ich versehentlich 1,0 aus der Kreuzung Houdan x Lachshuhn zur. Zucht einsetzte. Das gab ein erhebliches Durcheinander in meiner Zucht. Plötzlich hatte ich Tiere mit Stehkamm, ohne Bart, kaum Haubenbildung oder einseitig nur 4 Zehen und Hähne mit Messing auf den Schultern. So etwas ist sehr ärgerlich! Deshalb sollte man, wenn man Kreuzungen versucht, stets einen besonders reinrassigen Zuchtstamm getrennt halten- und sei es nur zur Erzielung von reinrassigen Zuchthähnen. .Nachdem die Einkreuzung mit lachsfarbigen Lachshühnern gut geklappt hat, habe ich 1970 dasselbe mit weißen Lachshühnern versucht, um die weißen Houdan erneut zu erzüchten. Mit der Einkreuzung von 1,0 Holländer Weißhauben weiß in die F2- Generation aus 1,0 Houdan gescheckt x Lachshuhn weiß kam ich dann relativ gut vorwärts. Auf der Niederrheinschau 1976 in Krefeld konnte ich mit hv Ehrenband auf 0,1 Houdan weiß erste Erfolge erzielen. Bedingt durch das Holländer-Blut fallen immer wieder Tiere mit dunklen Läufen, was zwar laut Standard erlaubt ist, aber ich ziehe Tiere mit hell- fleischfarbenen oder weißen Läufen vor. Der weiße Farbenschlag steht heute den gescheckten Houdan in nichts mehr nach. Leider gibt es aber zu wenig Züchter, die sich mit Ausdauer diesem Farbenschlag der Houdan widmen. Dies sind also meine eigenen Zuchterfahrungen, die ich bis heute mit den gescheckten und weißen Houdan gemacht habe. Nun möchte ich kurz den jetzigen Zuchtstand dieser Rasse beleuchten.

Der Zuchtstand der Houdan
Auf den heutigen Schauen erkennt man dass die Houdan in den letzten 30 Jahren enorm verbessert worden sind. Durchweg sind sie sowohl figürlich, als auch farblich in Ordnung. Auch Haube, Bart und Zehen sind bei den meisten Tieren ohne Tadel.

Houdan, schwarz-weiß gescheckt, gezeigt von Ingrid Spielberger, Nationale Bundessiegerschau 2015, Dortmund

Aber leider hat sich bei den Hähnen in den letzten 2-3 Jahren der Schmetterlingskamm zum Nachteil verändert. Diese groben Kämme mit reichlichen Verästelungen, aber auch die zu großen Kehllappen sollten dringend verbessert werden. Zweifellos ist das Vorhandensein von Kehllappen ein Zeichen von Vitalität, aber sie dürfen nicht so groß werden, dass sie den markanten Vollbart verdrängen. Ferner sieht man hin und wieder Junghähne, die farblich zu hell sind. Junghähne sollten vorwiegend schwarzes Gefieder haben und nur wenig Zeichnung aufweisen, um dann im 2 Jahr eine schöne Scheckung zu erreichen. Bei Bewertungen von Houdanhennen ist mir mehrmals die Kritik aufgefallen: „ Haube gleichmäßiger gezeichnet.“ Dazu muss ich sagen, dass es mir bis heute nicht gelungen ist bei den Hennen eine volle und gleichmäßige Haube zu erzüchten. Ende der 60er Jahre war die Verbesserung der Haubenzeichnung schon einmal Thema bei einer SV-Sommertagung. Ich habe bei gleichmäßig gezeichnerter Haube, noch nie die passende Haubengröße erreicht. Bei einer Vollhaube tritt im hinteren Haubenteil der Houdanhennen überwiegend weiß auf, gekoppelt mit Vollbart und schöner Scheckenzeichnung.

Houdan, schwarz-weiß gescheckt, gezeigt von Ingrid Spielberger, Nationale Bundessiegerschau 2015, Dortmund


Beim weißen Farbenschlag wird ein reinweißes Gefieder gewünscht. Beim Hahn kann das aber nach meiner Ansicht nicht verlangt werden; er zeigt in den Behängen und auf den Decken gelben Anflug. Bei den weißen Houdanhähnen wäre noch besserer Kamm und kleinere Kehllappen zu wünschen.

Erwähnen muss ich noch die Farbenschläge Blau und Perlgrau. Obwohl ich von ihnen in den Letzten Jahren auf Schauen kein Tier gesehen habe. Dagegen stellte Zuchtfreund Mammen einige Jahre lang gesperberte Houdan vor. Sie konnten nicht anerkannt werden, weil nach dem Tod des Zuchtfreundes Mammen kein anderer Züchter das Erbgut in die Hände genommen hat. Mir ist nicht bekannt, ob sich gegenwärtig jemand mit der Zucht eines dieser Farbenschläge der Houdan befasst.

Aufgrund jahrelanger Zuchterfahrung kann ich die Houdan nur empfehlen. Obwohl ihre Zucht- wie schon beschrieben nicht immer ganz einfach ist.

Solche, bzw. ähnliche Berichte wollen wir von euch Züchtern gerne veröffentlichen. Was hält Euch davon ab, gleichfalls über eure Zuchterfahrungen zu berichten? Greift zum Schreibzeug und sendet eure Beiträge an uns.


Diesen hervorragenden, höchst interessanten Beitrag verfasste Zuchtfreund Eduard Miebach. Seit 1985 dabei teilt er Erfahrungen mit, aus denen andere Züchter auch bei anderen Rassen Nutzen ziehen können.

Mittwoch, 13. April 2016

Vorsicht bei Einkreuzungsprojekten

Grundsätze & Tipps zur erfolgreichen Zuchtverbesserung
Die meisten unserer Hühnerrassen und Farbenschläge verdanken ihre Entstehung einer Kreuzung. Eine Rasse kann aber auch -insbesondere wenn sie selten ist- infolge einer unpassenden Einkreuzung gar leicht zugrunde gehen!

Fremdeinkreuzungen sind grundsätzlich nicht als Mittel erster Wahl anzusehen, wenngleich sie in einigen Fällen sicherlich sinnvoll sein können. Es empfiehlt sich bei Fremdeinkreuzungen sehr überlegt und langfristig vorzugehen.



„Ich versuche hier, all das, was Zuchtfreund Eduard Miebach in seinem Beitrag über seine Houdanzucht mitgeteilt hat, nachfolgend in zu beachtende Grundsätze zusammen zu fassen. Diese Ausführung erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, kann verantwortungsbewussten Zuchtfreunden jedoch sicherlich eine Hilfestellung bieten Fehler zu vermeiden“ (Jürgen Käs)

Gedanken und wichtige empfehlenswerte Grundsätze zum Thema Einkreuzen


1. Entscheidung für ein Einkreuzungsprojekt überdenken
Einkreuzungen sollten nur vorgenommen werden, wenn sie unumgänglich sind. Der Züchter trägt hier eine große Verantwortung für die authentische Erhaltung seiner Geflügelrasse und die Sicherung ihrer Rassereinheit.

2. Die richtige Auswahl der einzukreuzenden Rasse treffen
Es empfiehlt sich bei Fremdeinkreuzungen in gleicher Rassegruppe zu bleiben, bzw. auf eng verwandte Rassen zurückzugreifen. Der Rassetyp und Kernmerkmale werden so eher gewahrt und Erfolge stellen sich dann meist auch früher und nachhaltiger ein. Es sind hier nicht nur nicht nur die einzelnen Aspekte des äußeren Erscheinungsbildes zu betrachten, sondern auch mögliche Problemstellungen des Genotyps etc.

3. Reinrassige Reserven halten

Einkreuzungsprojekte bringen nicht immer erhoffte Resultate. Es ist wichtig reinrassige Tiere strikt zu trennen, um entsprechende Reserven zu halten. Dies gilt für die Zusammenstellung der Zuchtstämme genauso wie für die unmissverständliche Küken- und Jungtierkennzeichnung. Darüber hinaus ist es auch eine Möglichkeit einige seiner besten reinrassigen Tiere einem Züchterkameraden zu geben, mit der Gewissheit, dass man jederzeit darauf zurückgreifen kann. Bei seltenen Rassen sind reinrassige Reserven von besonderer Bedeutung.

4. Leistungsfähigkeit der Rasse erhalten

Es ist wichtig nur lebenstüchtige Tiere einer vitalen Rasse einkreuzen. Ideal ist es, wenn diese aus einem guten Legestamm (Zuchtbuch-Stamm) mit Leistungsnachweis stammen.

5. Gesunde Tiere für die Zucht einsetzen
Mehr noch als bei einem Zuchtvorhaben innerhalb einer Rasse ist bei Fremdeinkreuzungen auf die Gesundheit der Zuchttiere zu achten, die man einsetzen möchte. Der Herkunftsstamm der einzukreuzenden Tiere muss frei von Seuchen (z.B. Pullorum, Marek'sche Lähme etc.) sein.

6. Keine fehlerbehafteten Tiere einsetzen
Es ist unbedingt zu vermeiden Tiere mit eklatanten Fehlern für das Einkreuzungsprojekt einzusetzen. Zu solchen Zuchtausschlusskriterien zählen geringe Lebenskraft, fehlende Vitalität genauso wie anatomische Veränderungen (Deformation von Knochen oder Federn, fehlendem Zehenglied) sowie Rasse untypische Merkmale oder Abweichungen wie beispielsweise zweierlei Augenfarbe o.ä..

7. Mehr als das Erscheinungsbild in die Überlegungen einbeziehen
Will man etwa Nichtbrüter, dann sollte darauf geachtet werden, dass das einzukreuzende Tier aus einem Nichtbrüterstamm kommt, denn die Neigung zum Brüten kann erblich sein.

8. Seriös und offen agieren
Ein seriöser Züchter sollte niemals Nachzucht abgeben, ehe die Einkreuzung einwandfrei geklappt hat und keine Ausfälle mehr auftreten. Der Käufer ist offen von der Einkreuzung zu unterrichten. Dies dient zum Einen dem Verkäufer als Schutz um nicht als Betrüger betitelt zu werden und zum Anderen dem Käufer, der für sein züchterisches Arbeiten wichtige Informationen erhält.

9. Ausdauer und Geduld führen zum Ziel
Für ein erfolgreiches Einkreuzungsprojekt sind Ausdauer und Geduld erforderlich –und das nicht selten über viele Jahre hinweg. Nur im Glücks-/ Ausnahmefall klappt eine Einkreuzung nach Wunsch schon in wenigen Jahren.

Fremdeinkreuzungen können konsequent durchgeführt ein Mittel zur Zuchtverbesserung sein. Wer über ein Einkreuzungsprojekt nachdenkt sollte sich jedoch zunächst vor allem immer die Frage stellen, ob es notwendig ist, ob man auch die Geduld mitbringt und den Platz hat, konsequente Schritte zu wirklicher Rasseverbesserung bis zum Ziel zu gehen. Halbherzige Vorgehensweisen schaden oft mehr als sie nutzen. 

Ein Beitrag mit freundlicher Unterstützung von Jürgen Käs

Lesen Sie hier in Fortsetzung dieses Themas demnächst einen ausführlichen Erfahrungsbericht zu 30 Jahre Houdan-Zucht...

Montag, 7. März 2016

Einladung zur Sommertagung mit JHV

Haubenhühner und seltene Hühnerrassen 
Der Sonderverein der Haubenhühner und seltenen Hühnerrassen läd alle Mitglieder und interessierte Züchter recht herzlich zur Sommertagung mit Jahreshauptversammlung (JHV) am 11. Juni 2016 nach 08107 Hartmannsdorf bei Kirchberg/Sa. in die Hotel-Pension Flechsig ein.

Die JHV findet am Samstag, den 11.06.2016 um 14 Uhr in der Hotel-Pension Flechsig statt.



Neben der Jahreshauptversammlung erwartet die Teilnehmer der Sommertagung im Programm eine Tierbesprechung, ein Beiprogramm für mitgereiste Partner und am Samstag Abend ein gemeinsames, gemütliches Beisammensein für züchterischen Austausch und kurzweilige Gespräche unter Geflügelfreunden. 


Für Zuchtfreunde, die bereits am Vortag anreisen, ist am Freitag Abend eine gemütliche Runde geplant.

Wir bitten die Zimmer selbst bis zum 31.03.2016 unter Angabe des Kennwortes „Haubenhühner“ zu buchen:
Hotel-Pension Flechsig
Dorfstraße 37, 08107 Hartmannsdorf
Tel.: 037602 6342 - E-Mail: info@hotel-pension-flechsig.de
www.hotel-pension-flechsig.de
Preise: EZ mit Frühstück ab 35,- € (incl. Schwimmbadnutzung)
DZ mit Frühstück 79,- € (incl. Schwimmbadnutzung)

Weitere Details zu Programm sowie Anfahrt zur Sommertagung werden im nächsten Rundschreiben bekanntgegeben.

Ansprechpartner für die Sommertagung ist Wolfgang Ott / Robby Ott:
Tel. 037462 4971 - E-Mail: marktfrau@live.de


Wir freuen uns auf Eure Teilnahme und eine kurzweilige & informative Sommertagung.
SV der Haubenhühner und seltenen Hühnerrassen

Sonntag, 6. März 2016

Tschüpperli, Bibeli & Bruteierli zu Ostern

Aarg. Bruteier - und Kükenmarkt Brittnau, Schweiz
Aus der Schweiz stammen einige sehr aparte Hühnerrassen, die, wie beispielsweise die Tschüpperli (Appenzeller Spitzhauben), bis heute erhalten werden. Ein Austausch von Zuchttieren und Bruteiern ist daher eine gefragte Angelegenheit, die viele Geflügelfreunde anzieht.

Bildquelle:Ornithologischer Verein Brittnau, http://www.ov-brittnau.ch


Der Brittnauer Bruteier - und Kükenmarkt ist ein traditioneller Markt für Züchter und Geflügelfreunde. Ein Tipp insbesondere auch für Liebhaber schweizer Hühnerrassen und auch seltener Rassen wie Dorking uvm.

24. Aargauerischer Bruteier- und Kükenmarkt 2016
am 28.03.2016 (Ostermontag)
Mehrzweckhalle Brittnau, Schweiz
Einladung und weitere Informationen: http://www.ov-brittnau.ch



Ansturm auf Überraschungseier
Kükenmärkte sind äusserst beliebt – oft sind die Bibeli rasch ausverkauft. Eine Alternative ist es, Bruteier zu kaufen.

Manchmal birgt ein Ei aber auch eine Überraschung. Hobbyzüchter erhalten in der Schweiz eine grosse Vielfalt ursprünglicher Hühnerrassen. Jungtiere gibt es aber meist nur im Frühling. Auf den Kükenmärkten werden aber nicht alle Rassen zum Verkauf angeboten, und meist reicht das Angebot nicht, um die Nachfrage zu decken. Einige Hundert Tiere stehen zum Verkauf – sie finden in der Regel innert zwei Stunden einen neuen Halter.

Bildquelle: Fabian Schenkel, Redakteur Geflügel "Tierwelt"




Bildquelle: Fabian Schenkel, Redakteur Geflügel "Tierwelt"

Wird man bei den Küken nicht fündig, so kann man auch Eier kaufen – beispielsweise auf dem Markt in Brittnau. Dort sind um die 1000 Eier im Angebot. In einer separaten Turnhalle werden die Eier auf Tischen ausgestellt, wobei jeweils ein Bild zeigt, wie die daraus schlüpfenden Küken im erwachsenen Alter aussehen werden.

Doch in den Bruteiern steckt eine Portion Überraschung. Wie gut die Eier befruchtet sind und wie viele Küken später daraus schlüpfen, ist beim Kauf nicht klar. Von der Marktleitung werden die Verkäufer angewiesen, nur Bruteier mit einer guten Befruchtungsrate zu verkaufen, doch eine Kontrolle ist nicht möglich. Dennoch sind Bruteier sehrgefragt – die dunkelbraunen Eier der Marans oder die grünen Bruteier der Araucanas sind jeweils nach wenigen Minuten ausverkauft.

Legerassen wie Italiener oder New-Hampshire finden schnell einen Käufer und in die Sparte der viel gesuchten Hühner gehören auch Seidenhühner.

Damit die Aufzucht gelingt

Je nach Veranstaltungsort gibt es unterschiedliche Registrierungsbedingungen. Im Kanton Zürich müssen Verkäufer und Käufer die Adresse angeben – das kantonale Veterinäramt will es so. Allen Märkten ist ein Verkauf von Futtergeschirren, Einstreu oder Futter angegliedert.

Vor dem Kükenkauf sollte die wärmende Lampe zu Hause bereits in Betrieb sein. Wenn die Küken schlüpfen, brauchen sie eine Temperatur von 32 Grad. Sie lieben diese wohlige Wärme auch in den ersten Tagen nach dem Schlupf, deshalb empfiehlt sich ein Ort ohne Zugluft mit genügend Wärme.

Schon in wenigen Wochen bekommen die Tiere ihr erstes Federkleid. Bei Sonne geniessen sie dann am liebsten einen Spaziergang im Grünen. Die Vorbereitung der Hühnerhaltungendet nicht beim Stall, sondern bei der Fertigstellung des Auslaufs. Nur so ist eine problemlose Aufzucht und Haltung der Küken möglich.

Bericht "Ansturm auf Überraschungseier" , Bilder 2,3 von Fabian Schenkel, Redakteur Geflügel "Tierwelt" 

Herzlichen Dank für die freundliche Unterstützung

Dienstag, 12. Januar 2016

Mohrenköpfe

Eulenbarthühner mit aparter, anspruchsvoller Zeichnung
Verhältmäßig spät wurden die Eulenbarthühner (niederländisch Uilebbarden) in Deutschland bekannt. Zu ihrer Anerkennung und Aufnahme in den deutschen Standard kam es 1979. Zunächst nur zögerlich traten sie bei unseren Ausstellungen in Erscheinung.

Glücklicherweise hat sich dies inzwischen geändert. Mit ihrem vermehrten Auftreten- auch bei Großschauen wurden sie zu einer geschätzten Bereicherung. In ihrer breiten Farbpalette bescherten sie uns etwas Überragendes: die Mohrenköpfe, ein Begriff, der uns bislang nur aus der Taubenwelt bekannt war.


„Meine erste direkte Begegnung mit diesen Hühnern hatte ich bei einer Ausstellung in Kemnat bei unserem unvergessenen Zuchtfreund Roland Weber, einem Kenner der Niederländischen Rassen. Die Farbgebung wirkte auf mich fremdartig. Sie hatten etwas Aufregendes, ganz Bizzares an sich. Bei keiner anderen Hühnerrasse ist uns dieses Zeichnungsbild bekannt. Sicherlich wären diese Mohrenkopf-Eulenbärte weiter verbreitet, hätte ihre Zucht nicht die Schwierigkeiten eines Balanceaktes.“


Wo und wann ist diese aparte Zeichnungsart entstanden?
Wir wissen es nicht. Der große Förderer der niederländischen Hühnerrassen, R. Houwink in Meppel, erfasste die verstreuten Reste einigermaßen reinerbiger Eulenbarthühner und übergab sie 1900 der Obhut des von ihm gegründeten Nederlandse Hoenderclub.

Houwink züchtete selbst auch Eulenbarthühner und- in diesem Zusammenhang besonders interessant- auch Schwarzhaubenhühner. Aus seinen züchterischen Bemühungen gibt es die ersten Aufzeichnungen über „Mohrenkoppen“. Frau van Andrichen Boogaerd, die Tochter des bekannten Genetikers Dr. Vriesendorp, war im Begriff diese „Erstausgabe“ züchterisch zu rekonstruieren. Es sollte jedoch nicht mehr sein. Der der Tod war schneller.

Als Roland Weber in den Achtzigerjahren die ausgestorbenen gesprenkelten Eulenbärte wieder erzüchtete, hatte er genauso gezeichnete Tiere. Er verwendete dabei gold-schwarzgetupfte Eulenbarthühner und Gold-Brakel (danach Silber-Brakel). Sein größtes Problem sah er in der Verdrängung der Schwarzzeichnung aus Kopf und Bart. Da die Bartfarbe immer als Zeichnungsfarbe gilt und bei den Gold-Schwarzgetupften folgerichtig schwarz ist, sah er kaum die Möglichkeit zu einer standardgemäß Gold- oder Silberfarbe in Kopf und Bartbereich zu kommen. Namhafte Genetiker rieten ihm, eine Standardänderung zu beantragen.
Als er sich damit abgefunden hatte und im Begriff war diesen Schritt zu tun, kam zu seiner Überraschung der nicht mehr erwartete züchterische Durchbruch. Kopf und Bart der Sprenkel wurden frei von schwarzen Farbanteilen. Ein nicht eingeplantes Zwischenprodukt waren gold-schwarz, gesprenkelte Mohrenkopf-Eulenbarthühner. Nun mit Mohrenköpfen hatte er damals nichts am Hut. Von dieser Houwink-Züchtung war ihm ohnehin nichts bekannt. Er fand diese Tiere reizvoll und bedauerte sich von ihnen trennen zu müssen. Schade drum! Etwa zur gleichen Zeit rief Cornelius van der Heuvel in der niederländischen Fachpresse dazu auf, alles zu unternehmen, die Mohrenköpfe zu erhalten. Für eine etwaige Wiedererzüchtung empfahl er, weiße oder silberschwarzgetupfte Eulenbarthühner mit Holländer Schwarzhauben zu verpaaren. Später korrigierte ihn Frau van Andrich Boogaerd. Sie berichtete ihm, dass in ihrer Schwarzhaubenzucht immer wieder Mohrenköpfe fallen würden, wobei natürlich die Probleme bei Hörnerkamm und Bartbildung (beides soll Schwarzhauben fehlen) lagen. Diese Nachricht bestätigte seine Vermutung, dass weiße Mohrenkopf-Eulenbärte als Nebenprodukte der Schwarzhaubenzucht entstanden sein könnten.

Nun Mohrenköpfe waren plötzlich wieder da, auch bei uns in Deutschland und mit welch beeindruckenden Exemplaren!


Die beiden Farbenschläge (Weiß-und Goldbraun) etablierten sich, wenn auch auf schmaler Basis. Weiter sind blaue Mohrenköpfe anerkannt. Blaue Mohrenköpfe tauchen gelegentlich als Einzelexemplare auf. Eine gefestigte Zucht ist mir nicht bekannt.

Mohrenkopf-Eulenbärte eine Hennenzucht?
Die Zucht der Mohrenkopf-Eulenbärte ist wohl eine Hennenzucht. Die Musterbeschreibung drückt sich hier etwas lapidar aus. Bei dieser eigenwilligen Zeichnung gibt es nichts Perfektes. Rumpf und Schwanz sind kaum einmal frei von schwarzen Farbeinlagerungen. Etwas Zeichnung an den Schenkeln und an der Oberbrust ist das Normale. Der farbliche Übergang vom Schwarzbereich des Kopfes und Oberhalses zur Grundfarbe des Hals- und Rumpfgefieders ist etwas fließend, also kein konturenhafter Abschluss. Es ist wichtig, dass der Bart satt schwarz durchgefärbt ist. Die Zuchtpartner müssen gut zusammenpassen, denn die Zeichnung kippt ebenso leicht in den hellen Bereich mit grauen statt schwarzen Köpfen oder in den dunklen, überzeichneten. So fallen zum Beispiel bei den weißen Mohrenkopf-Eulenbarthühnern u.a. solche Küken, die zunächst weiß erscheinen, aber nach einiger Zeit eine farbige Kopfzeichnung erkennen lassen. Der Zuchtanfänger vermutet dies gebe die richtigen Ausstellungstiere. Sie werden aber nicht richtig gefärbt, da die Entfärbung im Kopf und Bart nur etwas Grau bringt. Anderseits gibt es auch schwarze Küken. Sie hellen zumeist zunehmend ein wenig auf, aber bleiben zu dunkel, überzeichnet. Dagegen werden die blaugrauen Küken nach meinen Erfahrungen die besten Ausstellungs-Mohrenköpfe. Bei ihnen ist die Grundfarbe zunächst blaugrau. Bei den Federwechseln bis hin zum Endgefieder vollzieht sich ein Umfärbungsprozess, bei dem das Rumpf- und Schwanzgefieder weiß aufhellt, das Kopfgefieder aber schwarz wird. Eine endgültige Selektion ist erst spät möglich. Die manchmal durchstoßende Grundfarbe erscheint bei den goldbraunen Mohrenköpfen im Schwanzbereich als helle Säumung, am Brustübergang wie ein kleines Farbspiel von „Blaugold„. Merkwürdig ist, dass in der anfallenden Skala von Schwarzzeichnungen sowohl bei Mohrenkopf-Eulenbärten als auch bei Schwarzhaubenhühnern Tiere mit einer groben Sprenkelung fallen. Es ist auch wichtig zu wissen, dass Alttiere zum Auftreten schwarzer Zeichnung auf Schultern und Flügelbug neigen.



Im Heimatland der Rasse wird dies bei der Bewertung in angemessenem Maße berücksichtigt. Ein echtes Problem sind die Hähne. Der Bart stellt hier den zentralen Farb- bzw. Zeichnungsbereich dar. Wichtig ist seine satte Durchfärbung. Tiefschwarze Kopf- u. Bartfarbe sind bei den Hähnen selten. Ist sie mal gegeben, so treten zumeist Schwarzfärbungen im Sattelbehang und Schwanzbereich auf oder der Hahn ist hennenfiedrig. Das ist beinahe die Regel. Hennenfiedrigkeit des Hahnes bei guter Farbe: wir kennen die Gründe nicht und können uns die Zusammenhänge nicht erklären. Diese Tatsache hat in Holland zu ernsthaften Überlegungen geführt, die Hähne bei der Bewertung auch in hennenfiedriger Variante zuzulassen. Schließlich hat bei einer Ausstellung eine reine Hennenkollektion weit weniger Wirkung, als eine Präsentation mit wenigstens einem Hahn. Ich selbst hatte das Glück, hin und wieder einen halbwegs standardgerechten Hahn zu züchten.

„Wie schön wirkt doch so eine Herde Mohrenkopf-Eulenbarthühner in einem Grasauslauf bzw. auf einer Wiese.“

Im niederländischen Standard sind die Farbenschläge, weiß, goldbraun und goldgelb anerkannt, blaue Mohrenköpfe sind nicht aufgeführt. Denn der Farbkontrast wäre wohl zu gering, was man im Deutschen-Standard nicht so sieht, bei den goldgelben sieht es nicht besser aus, Hand aufs Herz wer hat schon mal einen gelben Mohren gesehen.

Ein Fachbeitrag und Erfahrungsbericht von Jürgen Käs

Ein herzliches Dankeschön für den sehr informativen Artikel.