Mittwoch, 18. Januar 2017

Holländer Schwarzhauben

Eine Herausforderung für Könner und Idealisten
In der Geflügelliteratur tauchen immer wieder Beschreibungen von weißen Hühnern mit schwarzen Hauben auf. Solche Tiere sind auch auf alten Bildern dargestellt.
Diesen Schwarzhauben haftete etwas legendenhaftes an. Auch in Kreisen erfahrener Züchter gab es Zweifel an der Wahrheit dieser Geschichten. Diese Farbgebung hat doch in der Vorstellung etwas sehr Ungewöhnliches, ja etwas Kühnes. Die gelegentlichen Berichte ergaben aber auch keine Zusammenhänge. Aber weder Bilder noch Berichte sind reine Phantasie.

Es gibt sie wirklich: Hühner mit weißem Rumpfgefieder und schwarzer Haube, also das Gegenstück zu den Holländer-Weißhauben. 

Holländer Schwarzhauben, gezeigt 2016, Deutsche Junggeflügelschau Hannover







Holländer Schwarzhauben von Patrick Tolle
Geschichtliches
Im Jahr 1962 berichtete der große niederländische Züchter und Maler van Gink über Schwarzhaubenhühner. Seinen Nachforschungen verdanken wir konkreteres über diese Hühner. Eine etwas kleine weiße Henne mit überwiegend schwarzer Haube sehen wir auf dem immer wieder zitierten Gemälde des niederländischen Malers J. Monckhorst von 1657. Es gibt auch einen Kupferstich unbekannter Herkunft: Er zeigt eine junge Henne mit kleinen, becherförmigem Kamm und einer kleinen aber schwarzen Haube. Buffon (1796) und Temmnink (1813) beschreiben auch weiße Hühner mit schwarzer und gesäumter Haube. Auch Tegetmeier erwähnt sie in seinem Buch < Poultry Book> im Jahr 1867. Er zitiert Mr. B. Palmer Williams zu Dublin, der viele Studien der Geschichte der verschiedenen Arten von Hauben-hühnern gewidmet hat: „Diese Rasse war bis vor 30 Jahren in verschiedenen Teilen Irlands noch zu bekommen, und ich bin durch Freunde, die diese Rasse gut kannten darüber informiert worden.. Sie beschrieben sie als eine sehr hervorragende Rasse, die aber ausgestorben ist. Ich kann wohl sagen als Folge einer Hungersnot oder wegen der damals fehlenden Geflügelzuchtvereine. Einige Jahre später hörte ich wieder von dieser Rasse, und ich versuchte, davon einige Tiere zu bekommen. Ich hatte gehört, sie wären in Bordeaux zu haben. Ich ging dort hin und ebenso nach Paris. Ich wurde aber sowohl in Bordeaux als auch in Paris informiert, dass die Rasse damals wohl noch dort bestand, aber jetzt nicht mehr vorgefunden würde. Es schien
als ob sie dort wie auch anderswo verschwunden war. Dann und wann erwarb ich Tiere womit ich glaube, diese Rasse wieder herausbringen zu können. Hätte ich damals die feinen Exemplare der weißen gehaubten Hühner gehabt, die jetzt zu haben sind, ich glaube, dann hätte die Rasse wieder hervorgebracht werden können. Das letzte Tier meines damaligen Bestandes, eine Henne, befindet sich jetzt im Museum, des National History Vereins in Dublin.(Dieses ausgestopfte Tier wurde später bei einem Feuer, das in diesem Museum ausgebrochen war, vernichtet. v.G.) Ihre Haube ist schwarz, wie auch einige ihrer Halskragenfedern. Die Leute, die zuletzt die weißen Schwarzhauben in Irland hatten, waren Abkömmlinge französischer Hugenotten , in Portarlington und Mayborough, was mich dazu bringt, zu behaupten, dass die Rasse aus Frankreich und nicht aus Holland gekommen ist.“ - soweit Mr. B. Palmer Williams.Nun Mr. Tegetmeier, der Verfasser der damaligen Auflage <Poultry Book>, versucht viele Jahre, diese Rasse durch Kreuzung mehrerer Haubenhuhnarten wieder herauszuzüchten. Der Versuch blieb nur ein Teilerfolg. Der Züchter beklagte, dass man jeden Federwechsel die Hauben mehr an weißen Federn zunahmen. Schade, er schien dem Ziel nahegekommen zu sein; es fehlten wohl noch einige Jahre der strengeren Zuchtauswahl.

Etwa zur gleichen Zeit hatte ein Pfarrer Blume aus Harzgerode schwarze Hühner mit weißer Haube, die er „Türkische Hühner“ nannte, und ebensolche züchtete Zuchtfreund Bruskog, der ehemalige Vorsitzende des Wiener Geflügelzuchtvereins.

0,1 Holländer Schwarzhauben, gezeigt 2016, Deutsche Junggeflügelschau Hannover


Verschiedene Zuchtversuche im 1900 Jahrhundert.
Mit dem Eintritt ins 19. Jahrhundert gab es verschiedene Zuchtversuche. Wie C.S.Th. van Gink berichtete, befassten sich etwa ab 1907 zwei Liebhaberzüchter und Forscher von Zucht-und Vererbungslehre, R. Houwink, Meppel, ein vergessener Förderer der damals selten gewordenen altholländischen Hühnerrassen, und A. Hoogendijk, ein reicher Schiffseigner und Besitzer einer Geflügelzuchtanlage mit der Wiedererzüchtung der Schwarzhaubenhühner. Sie nutzten Houdan, weiße Brabanter und schwarze Holländer-Weißhauben, (Ob es nicht rein schwarze Haubenhühner waren, sozusagen schwarze Paduaner ohne Bart?)

Diese Variante wurde früher auch gezüchtet und es gibt sie derzeit zumindest noch in Dänemark.) A. Hoogendijk ein bekannter und erfolgreicher Züchter von Holländer Weißhauben und Erzüchter der schwarzen Zwergenform. Schon 1910 erhielten sie einige Tiere mit dunkler Haube und fast weißem Körpergefieder. Sie kamen aber ihrem eigentlichen Ziel nur wenig näher und gaben den Versuch etwa um 1916 auf. Der Vererbungsforscher Dr. Vriesendorp zu Baarn griff den Versuch nochmals auf und kreuzte in den Hoogendijk- Houwink-Stamm verschiedene andere Rassen ein. Er hatte einigermaßen Erfolg. Die Hauben waren etwas klein, aber dicht und satt in der Farbe. Außer den Weißen mit schwarzer Haube fielen auch ordentliche blaue und gelbe Tiere mit schwarzer Haube. Diese Farbenschläge sind auch jetzt noch in Holland anerkannt. Da es diesem Mann hauptsächlich an der genetischen Seite des Versuches lag, gab er die Zucht wieder auf.

J.van Omme zu Arnheim, weniger Genetiker als mit großen praktischen Zuchtkenntnissen ausgestattet befasste sich drei Jahrzehnte mit dieser Zucht. Er nutzte Lakenfelder, schwarze Holländer Weißhauben und silberschwarzgetupfte Eulenbarthühner (diese haben einen fast schwarzen Kopfbereich). Obgleich dieser beharrliche Züchter über beschränkte Aufzuchtmöglichkeiten wie seine wissenschaftliche gerüsteten Vorgänger verfügte, kam er dem hochgesteckten Ziel näher. In seiner Zucht fielen auch weiße Tiere mit blauer Haube. J. van Omme muss ein bemerkenswerter Mann und ein geradezu begnadeter Züchter gewesen sein. Er hat auch für die Zucht und Erhaltung des Eulenbarthuhnes Großes geleistet. Nach dem 2. Weltkrieg zeigt Dr. Vriesendorp mehrfach außer Konkurrenz bei der Ornithophilia und bei der Avicultura-Schau in kleinen Kollektionen Holländer-Schwarzhauben von beachtlicher Qualität. Sie sind in Holland unter diesem Namen eine anerkannte Rasse. Inzwischen ist es aber wieder, still geworden um diese Rasse. Sie ist seit 1999 im Standard anerkannt.

Diese Zucht hat sich eben als überaus schwierig erwiesen und wird in ihrer Idealvorstellung immer eine Utopie bleiben. Es müssen mehrere Zuchtstämme gehalten und eine Vielzahl von Küken erbrütet und aufgezogen werden, um eine entsprechende Auslese vornehmen zu können. Als brauchbare Tiere bleibt nur ein kleiner Prozentsatz. Auch die besten Exemplare haben noch immer noch kleinere Hauben als ihre entgegengesetzt gefärbten Vettern. Die Farbe ist selten wirklich satt, die Haubenfedern sind oft nach dem Grund hin aufgehellt und zeigen vielfach weiße Spitzen. Je größer die Hauben sind, umso heller sind sie leider auch. Die Farbe beschränkt sich nicht nur auf die Haube und greift immer etwas in Nacken und Hals über. Nur ganz selten sind Rumpf- und Schwanzgefieder einigermaßen frei von Schwarzeinlagerungen. Es gibt auch Tiere, die den Bart als Erbe der Paduaner übernommen haben. Sie werden in Holland als „Mohrenkopf-Paduaner“ ausgestellt.
Als Zeichnungsfarbe kommt auch blau vor, und in dieser Farbe fielen interessanterweise bisher die besten Hennen.

1,0 Holländer Schwarzhauben, gezeigt 2016, Deutsche Junggeflügelschau Hannover
Holländer Schwarzhauben von Patrick Tolle
Die Schwarzhaubenzucht bedarf großer Idealisten mit einem Höchstmaß an Geduld und Ausdauer. Ihren wenigen Züchtern gebührt Hochachtung.

Aus vergilbten Blättern hies eine Serie über die seltenen Hühnerrassen, von unserem Ehrenvorsitzenden K. Fischer. Roland Weber hat den Werdegang (Erzüchtung) der Holl. Schwarzhauben geschrieben. Wir hatten 1999 die ersten Bruteier aus den Niederlanden, von Zfrd, Nyhof bekommen .die Befruchtung u. Schlupf war sehr gut.

Beitrag von Jürgen Käs

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