Sonntag, 9. April 2017

Auf Spurensuche in der Geschichte

Abschied von alten Herkunftstheorien und Geschichtsparadigmen?
Um den Ursprung der Paduaner Hühner, bzw. ihrer Ahnen, gibt es viele wilde Spekulationen und Mutmaßungen, jedoch nur wenig wirklich fundierte Fakten. Was mit Sicherheit auch zu manchen Unklarheiten beigetragen hat, sind die unterschiedlichen Namen der Paduaner und ihrer Vorfahren, die erst auf dem dt. Geflügelkongress 1869 in Dresden beseitigt wurden.


Bis dahin gab es lokale Bezeichnungen wie das Hamburger Prachthuhn und das Polnische Prachthuhn, in Italien nannte man die Hühner Paduaner (Padovana) und in Holland war es das Nederlandse Baardkuifhoenders, auch von einem Hamburger Schleierhuhn wird berichtet. Erschwerend kam hinzu, dass vor dem o.g. Geflügelkongress die Übergänge von verschiedenen Haubenhuhnrassen recht fliesend waren und so nicht immer zweifelsfrei klar ist, von welcher Rasse in der Vergangenheit geschrieben wurde. Brabanter und Paduaner wurden beispielsweise oft nicht unterschieden. In der GB 21/2010 konnte man lesen „Paduaner sind uralt“ und dass sie eine „Unklare Geschichte“ besitzen. Aber dann führt die Autorin weiter auf, dass die Paduaner von russischen Haubenhühnern abstammen..

Hühner in Ornithologiae Libri XIV. – De Gallinis Pataunis
 In der GZ hat sich z.B. der verstorbene F. Peschke auf Recherchen, von S. Roskowski aus Warschau bezogen, wonach Paduaner „vor mindestens 500 Jahren im damaligen Russland u. Polen“ mit dieser Mutation der Protuberanz (Schädelaufwölbung) in Erscheinung traten (GZ19/2010). Das Pawlowskaja Huhn, das selbst um 1895 schon als verschollen galt, sieht den Paduanern recht ähnlich. In den alten Büchern herrscht Unklarheit ob das Palowskajahuhn aus der Türkei vom Sultan Huhn oder aus einer Vermischung des Bucharahuhns mit dem sibirischen Federfüßigen Huhn entstanden ist. In den letzten Jahren wurde das Pawloskaja Huhn in Rußland wieder rückgezüchtet.

Viele andere gehen auch von einer Herkunft aus Osteuropa aus, woran Ulisse Aldrovandi (ital. Arzt und Naturforscher 1522-1605) nicht ganz unschuldig ist. In seinem Werk über Hühner in Ornithologiae Libri XIV. – De Gallinis Pataunis, berichtet er, das durch den ital. Arzt und Astronom Dondi del`Orologio erste Exemplare von Polverara Hühner aus Polen nach Italien kamen. Auch B. Düringen verweist in seinem Werk auf die Abstammung aus dem Osten. Laut Düringen sollen die Hühner schon im 14. Jahrhundert in Deutschland bekannt gewesen sein. Und wie schon erwähnt berufen sich dann auch weitere Autoren der „Jetzt-Zeit“ auf diese Hypothesen.

Aber ich will mich nicht auf Quellen verlassen, die sich auf andere erlassen hatten, sondern ich möchte einmal die neuesten Ergebnisse archäozoologischer Befunde berücksichtigen und somit etlichen nichtbelegbaren Behauptungen der so genannten Experten klar widersprechen!


Papyrus Artemidor, datiert um 10 n Chr., aus Alexandria
Diese wissenschaftlichen Befunde zeigen uns die bis dato ältesten schriftlichen Aufzeichnungen, die auf dem Papyrus Artemidor, datiert um 10 n Chr., aus dem ägyptischen Alexandria stammen. Auf dem Papyrus ist ein schlanker, hochläufiger Haushahn, hoch aufgerichtet, in der norma lateralis nach links blickend. Er trägt deutlich sichtbar statt des Kamms eine Federhaube und wird als „korakos“ für die rabenschwarze Farbe des Gefieders bezeichnet [Prof. Dr. Ragnar Kinzelbach 2009, Uni Rostock]. Haubenhühner waren anscheinend schon immer eine Kostbarkeit und nur wenige antike Belege sind im weiteren Verlauf der Geschichte durch archäologische Funde von Schädelknochen belegbar.

Schädelknochen aus der Ausgrabung von Trier um 394 n. Chr
Zu den seltenen Fundstellen zählt u.a. ein neu identifizierter Schädelknochen aus dem Serapeion in Mainz um 80 n. Chr. sowie aus West Hill, ein engl. Tempelbau der Römer in Südengland bei Uley aus dem Jahr 350 n. Chr. [Brothwll 1979], in Deutschland vermutlich ebenfalls als ein Opfertier aus dem römischen Trier ca. 394 n. Chr. [Teegen 2007].

Ein weiteres sehr interessantes Artefakt über Haubenhühner befindet sich im „Il Museo Pio Clementino“ – Vatikan Museum Rom, das eine Statue eines Haubenhuhnhahns aus dem 1-4 Jahrh. n. Chr. zeigt (G.Spinola/Archiv LH, NL). Da sich Hühnerknochen über die Jahrhunderte nicht gut erhalten, aber diese vermehrte Ansammlung von Funden aus dem Zeitraum um ca. 300 n. Chr., widerlegt für mich etliche alte Thesen über die Herkunft unserer Paduaner.

Statue eines Haubenhuhnhahns aus dem 1-4 Jahrh. n. Chr. zeigt (G.Spinola/Archiv LH, NL)

Haubenhühner gab es also schon lange vor Aldrovandi und waren wohl auch nicht nur eine örtliche Mutation im damaligen Russland. Erste Ururahnen – ob als zufällige Mutation – sind demnach schon gleich zu Beginn unserer Zeitrechnung in Erscheinung getreten und waren schon im 3./4. Jahrhundert über weite Teile Europas verbreitet. Warum sie aber die nächsten Jahrhunderte nicht in Erscheinung traten und erst fast wieder 1000 Jahre später vermehrt auftraten, bedarf noch einer zukünftigen Klärung. Es gibt noch weitere Funde aus Abfallgruben, von Skelettköpfen im spätmittelalterlichen Rostock und Magdeburg [Kinzelbach 2010]. Interessanterweise ergab ein Vergleich von Prof. Dr. Kinzelbach, dem ein mir befreundeter Paduanerzüchter einen Schädelknochen eines heutigen Paduanerhahns zur Verfügung stellte, dass die Skelettknochen aus Magdeburg bzw. Rostock identisch sind mit den heutigen Schädelknochen. Auch aus Stadtkerngrabungen in Göttingen (datiert Anfang 15 Jahrh.) und Höxter (dat. Anfang 17 Jahrh.) fand man unter den Hühnerknochen der Abfallgruben [8. Arbeitstreffen der Osteologen, Konstanz 1993], je einen besonders herausragenden Schädelknochen mit den blasig aufgetriebenen, dünnwandigen und porösen Merkmalen der Protuberanz. Ein weiterer Schädelknochen der Göttinger Funde weist eine geringere Penetranz der Vorwölbung auf was auf eine variable Penetranz dieses Merkmals hindeutet. Auch in Braunschweig wurde bei Ausgrabungen ein Schädelknochen mit dem typischen Merkmal der Haubenhühner gefunden. Sehr interessant ist die Datierung des Braunschweiger Knochens auf Anfang des 14. Jahrhunderts [Oehlmann 1989,277]. Im weiteren Verlauf gibt es dann die von vielen Autoren bereits genannten div. Gemälde z.T. Vorfahren unserer Haubenhühner -wirklich schon sehr alt und- es ist für mich eher unwahrscheinlich, dass die Haubenhühner aufgrund von zig lokalen Mutationen entstanden. Ob die Zucht damals schon planmäßig betrieben wurde oder nur rein zufällig erfolgte, ist nach beiden Seiten rein spekulativ. Jedoch wurde schon bei den alten Ägyptern systematische Tierhaltung betrieben.

Was ich persönlich, auch aufgrund meiner heutigen Erfahrungen für eher wahrscheinlich halte, ist das in verschiedenen Epochen Haubenhühner aus dem persischen – indischen Raum in die div. Länder Europas kamen. Dort aber in Vergessenheit gerieten und nur auf einigen wenigen Gehöften gehalten wurden. Als Beispiel kann ich hier nur die Eulenbart (Mohrenköpfe) Hühner anführen, die als ausgestorben galten, bis sie zufällig bei einem Landwirt in Nordholland wiederentdeckt wurden, der sie zum Verkauf angeboten hatte.

Ein Beitrag von Erich Arnold
Herzlichen Dank für den interesanten Beitrag und das anschauliche Bildmaterial.
 

Freitag, 17. März 2017

Reinweiß ist das Ziel

Weiße Paduaner und der "gelbe Anflug"
Im letzten Jahr habe ich mit der Zucht der seltenen, obwohl wunderschönen, weißen Paduaner begonnen.
Da dieser Farbschlag große Probleme mit dem sogenannten "gelben Anflug " im Schmuckgefieder hat, möchte ich versuchen, diesen Fehler durch die Einkreuzung einer Fremdrasse zu bekämpfen.

Gelber Anflug ist bei weissen Rassen nicht selten, allerdings besonders bei Ausstellungstieren unerwünscht.


Bei den weißen Paduanern tritt die Gelbverfärbung des Schmuckgefieders während der letzten Jungtiermauser auf, wenn die Tiere in bzw. ab diesem Alter im Freiland gehalten werden. Sonne und Regen sind die Ursache für diesen Makel. Besonders betroffen sind die Hähne, aber auch Hennen sind dann nicht mehr reinweiß. Eventuell ist auch die Fütterung an der Verfärbung beteiligt. Carotin im Futter sorgt ja auch bei anderen Rassen für ähnliche Probleme.

Wenn man wirklich weiße Paduaner ausstellen möchte, ist man bisher gezwungen, diese ab einem bestimmten Alter nicht mehr der Witterung auszusetzen. Sie müssten im Stall bzw. in überdachten Volieren untergebracht werden. Da ich für meine Tiere aber eine Freilandhaltung bevorzuge, nehme ich bisher eine schlechte Bewertung wegen des gelben Gefieders in Kauf. Ärgern tut es mich aber trotzdem und ehrlich gesagt, würden mir wirklich weiße Paduaner noch besser gefallen.

Im Jungtieralter noch reinweiss, zeigt der Hahn zur Ausstellungssaison starken gelben Anflug


Von einem Zuchtfreund bekam ich eine ältere weiße Holländer Weißhauben-Henne. Sie besitzt trotz ganzjähriger Freilandhaltung schneeweißes Gefieder. Deshalb denke ich, dass sie mir helfen kann, die Paduaner in dieser Hinsicht zu verbessern.

Da dies meine erste Fremdeinkreuzung in der Hühnerzucht ist und mir generell züchterische Erfahrung fehlt, würde ich mich über Tipps von anderen Züchtern zu diesem Thema freuen.

Unabhängig von der genetischen Veranlagung werde ich in diesem Jahr meine Jungtiere mit Futter für weiße Rassen aufziehen und so den Einfluss des Carotins ausschließen können.

Ein Beitrag von Heike Grimm


Genau hinschauen und Ursachen ergründen
ist der erste Schritt zum reinweißen Gefieder

Gelber Anflug tritt besonders auffällig im Schmuckgefieder in Erscheinung. Hier kommen wie von Heike berichtet verschiedene Ursachen in Frage. Sonneneinstrahlung und auch carotinhaltiges Futter haben hier nicht zu unterschätzende Auswirkungen.

Die Erbfaktoren nehmen jedoch auch einen erheblichen Einfluss auf die farbliche Ausprägung des Gefieders. Eine Möglichkeit ist hier, dass der verdeckt vorhandene Wildfaktor als gelber Anflug in Erscheinung tritt.

Es empfiehlt sich bereits beim Schlupf genauer hinzuschauen, um eine Einschätzung und auch Erkenntnisse für spätere Zuchttierauswahl zu gewinnen.
Bei weißen Nachzuchten schlüpfen teilweise Küken mit grauem Schleier im Flaumgefieder, welche mit gelblichem Schimmer und silberweiße. Es ist hilfreich hierzu genaue Kennzeichnungen vorzunehmen..
Die silberweißen Küken sind klar im Hinblick auf reinweißes Gefieder zu bevorzugen.
Durch konsequentes Selektieren dieser Tiere für die Zucht kann man sich dann mit der Zeit reinweiße Linien aufbauen und den gelblichen Anflug im Erscheinungsbild verdrängen .


Viel Erfolg bei deiner Zucht liebe Heike und natürlich freuen wir uns über deine Erfahrungsberichte.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Die gesäumten Paduaner

Farbschläge für Züchter mit guter Beobachtung und Fingerspitzengefühl
Es ist erstaunlich: Die Rasse Paduaner ist schon über 600 Jahre alt und fasziniert seither durch ihren besonderen Ausdruck und ihr einnehmendes Wesen.

Auch nach so langer Zeit sind die Paduaner immer noch so vital wie eh und je und das dürfte auch der Grund sein, dass sie zwar etliche Krisen durchgemacht haben, aber auch immer wieder zu neuen Höhepunkten ihrer langen Geschichte gelangt sind. Seit etwa 20 Jahren ist deutlich geworden, dass die Paduanerzucht erfreulicher Weise wieder mehr Freunde gewinnt, und die Rasse sich so weiterentwickeln kann.
Um 1900 waren die Paduanerzüchter auf die Linie zur heutigen Zuchtrichtung eingeschwenkt. Damals waren die Hauben noch nicht so kugelförmig wie heute, und oft auch noch gescheitelt.
Insbesondere die Hähne zeigten noch ungeordnete, strahlenförmige Hauben. Bei ihnen waren meistens noch Kammhörner bzw. wulstige Fleischauswüchse vor der Haube zu finden, was bis heute vorkommt. Vor dem Hintergrund, dass Tiere mit Kammansatz von jeher zu den vitalsten gehören, sollte solche Nebensächlichkeiten –sofern sie geringer Natur sind- nicht überbewertet werden.



Die Paduaner sind mittelgroß, leicht gebaut, zeigen sich in Landhuhnform mit kecker, aufrechter Haltung, mittelhohem Stand, voller Rundhaube und dichtem Bart sowie gut entwickeltem, glatt anliegendem Gefieder. Dazu sind sie von ruhigem zutraulichem Wesen.

Die gesäumten Farbenschläge
Bei den Paduanern sind gleich vier gesäumte Farbschläge anerkannt: Silber-Schwarzgesäumt, Gold-Schwarzgesäumt, Chamois-Weißgesäumt und Blaugesäumt.

Unter Säumung versteht man eine Zeichnung, bei der die Feder, vollständig von einem andersfarbigen Saum eingefasst ist. Dieser soll möglichst gleichmäßig breit -nicht zu schmal, aber auch nicht zu breit- sein. In idealer Ausprägung ist der Saum bei den meisten Rassen, wie auch bei den Paduanern von intensiver Farbe. 


Die Gold-schwarzgesäumten Paduaner zeigen ein gold-ockerfarbiges, ovales Zentrum in der Feder, versehen mit einer schwarzen Säumung. Beim Farbenschlag Chamois-Weißgesäumt finden wir statt dem braun, ein ledergelb mit weißer oder cremefarbiger Säumung, bei den silber-Schwarzgesäumten ein rein weißes Zentrum mit einer schwarzen Säumung und bei den blaugesäumten ein taubenblaues Zentrum mit dunkelblauer Säumung.

Sehr häufige Fehler bei den gesäumten Farbausprägungen sind Ruß, Moos, Pfeffer und Vorsaum. Die Zeichnung greift in Form von Sprenkeln und Flecken in das Zentrum über. Ein weiter grober Fehler ist die Halbmondsäumung bzw. Hufeisenzeichnung oder Tropfen. Man versteht darunter eine Verdickung an der Federspitze. Ebenso als Fehler zu bewerten ist eine Doppelsäumung, bei der die Saumzeichnung in der Feder wieder kehrt. 

Qualität erkennen und gezielt selektieren für die Zucht
Für eine geeignete Zuchttierauswahl ist ein guter Brustsaum der bis in die Unterbrust reichen sollte, ein wichtiges Kriterium. Beim Hahn ist insbesondere auch auf möglichst saubere Binden zu achten um die wertvollsten Tiere für die Zucht zu selektieren. Gut gesäumte Schwanzdeckfedern und Sicheln sind meist vorhanden, doch darauf zu achten ist ebenso empfehlenswert. 








Der Saum der Haube -am besten sichtbar- steht mit dem übrigen Gefieder in Zusammenhang. Zeigen Hähne und auch Hennen einen Vorsaum, so wird die Haube auch Vorsaum zeigen. Zu dunkle Brust und Schenkel sowie schwerer (breiter) Saum zeigen sich fast immer in Verbindung mit schlecht gezeichneten, fast zu farbigen Hauben und Schwänzen der Hähne. Das Verlockende an der gesäumten Paduanerzucht ist, dass man die Farbschläge“ Gold“ und „Silber“ bzw. „ Gold“ und „Chamois“ miteinander verpaaren kann. “Chamois“ mit „Silber“ verpaart ergibt dagegen farblich unbrauchbare Nachzucht. Diese Verpaarungen muss man aber überlegt vornehmen, denn sie bergen Gefahren in sich. Während man die Chamoisfarbe mit „Gold“ aufbessern kann, bringen die „Goldenen“ den „ Silbernen“ verstärkt gelben Anflug.

„Goldene“ lassen in der Intensität der Zeichnungsfarbe nach und werden lehmig, wenn man sie mit „Silber“ verpaart. Kreuzt man einen „Goldenen“ Hahn mit einer „Silbernen“ Henne, erhält man sofort „Goldene“ Hennen, während die Hähne eine unreine Silberfarbe haben und nach beiden Seiten verwendbar sind. Verpaart man reinerbige chamois-weißgesäumte Paduaner mit goldschwarzgesäumten, bekommt man nur chamois-weißgesäumte Tiere, denn „Chamois“ Paduaner besitzen Erbfaktoren, die das Schwarz, das unter dem Rahmweiß vorhanden ist, verdrängen. Diese Tiere sind aber alle spalterbig für „Gold-Schwarzgesäumt“. Verpaart man sie untereinander erhält man 75 Prozent Chamois-weißgesäumte und 25 Prozent gold-schwarzgesäumte Nachzucht. Die Paarung eines spalterbig chamois-weißgesäumten mit einem Gold-schwarzgesäumten ergibt 50 Prozent spalterbige Chamois- Weiß-gesäumte und 50 Prozent reinerbig gold-schwarzgesäumte Nachkommen. „Goldene“ Tiere, die von spalterbigen Chamois-oder Silberpaduanern fallen, sind fast ausnahmslos Hennen.



Die gesäumten Farbschläge der Paduanerhühner sind zweifelsohne echte „Hingucker“ und dazu sehr spannend in der Zucht. Sie bergen jedoch auch einiges an Herausforderungen für den Züchter. Idealismus und dazu etwas Fingerspitzengefühl sollte ein Paduanerzüchter mitbringen, um mit dieser alten, außergewöhnlichen Kulturrasse Erfolge zu erringen.

Ein Beitrag von Jürgen Käs

Mittwoch, 18. Januar 2017

Holländer Schwarzhauben

Eine Herausforderung für Könner und Idealisten
In der Geflügelliteratur tauchen immer wieder Beschreibungen von weißen Hühnern mit schwarzen Hauben auf. Solche Tiere sind auch auf alten Bildern dargestellt.
Diesen Schwarzhauben haftete etwas legendenhaftes an. Auch in Kreisen erfahrener Züchter gab es Zweifel an der Wahrheit dieser Geschichten. Diese Farbgebung hat doch in der Vorstellung etwas sehr Ungewöhnliches, ja etwas Kühnes. Die gelegentlichen Berichte ergaben aber auch keine Zusammenhänge. Aber weder Bilder noch Berichte sind reine Phantasie.

Es gibt sie wirklich: Hühner mit weißem Rumpfgefieder und schwarzer Haube, also das Gegenstück zu den Holländer-Weißhauben. 

Holländer Schwarzhauben, gezeigt 2016, Deutsche Junggeflügelschau Hannover







Holländer Schwarzhauben von Patrick Tolle
Geschichtliches
Im Jahr 1962 berichtete der große niederländische Züchter und Maler van Gink über Schwarzhaubenhühner. Seinen Nachforschungen verdanken wir konkreteres über diese Hühner. Eine etwas kleine weiße Henne mit überwiegend schwarzer Haube sehen wir auf dem immer wieder zitierten Gemälde des niederländischen Malers J. Monckhorst von 1657. Es gibt auch einen Kupferstich unbekannter Herkunft: Er zeigt eine junge Henne mit kleinen, becherförmigem Kamm und einer kleinen aber schwarzen Haube. Buffon (1796) und Temmnink (1813) beschreiben auch weiße Hühner mit schwarzer und gesäumter Haube. Auch Tegetmeier erwähnt sie in seinem Buch < Poultry Book> im Jahr 1867. Er zitiert Mr. B. Palmer Williams zu Dublin, der viele Studien der Geschichte der verschiedenen Arten von Hauben-hühnern gewidmet hat: „Diese Rasse war bis vor 30 Jahren in verschiedenen Teilen Irlands noch zu bekommen, und ich bin durch Freunde, die diese Rasse gut kannten darüber informiert worden.. Sie beschrieben sie als eine sehr hervorragende Rasse, die aber ausgestorben ist. Ich kann wohl sagen als Folge einer Hungersnot oder wegen der damals fehlenden Geflügelzuchtvereine. Einige Jahre später hörte ich wieder von dieser Rasse, und ich versuchte, davon einige Tiere zu bekommen. Ich hatte gehört, sie wären in Bordeaux zu haben. Ich ging dort hin und ebenso nach Paris. Ich wurde aber sowohl in Bordeaux als auch in Paris informiert, dass die Rasse damals wohl noch dort bestand, aber jetzt nicht mehr vorgefunden würde. Es schien
als ob sie dort wie auch anderswo verschwunden war. Dann und wann erwarb ich Tiere womit ich glaube, diese Rasse wieder herausbringen zu können. Hätte ich damals die feinen Exemplare der weißen gehaubten Hühner gehabt, die jetzt zu haben sind, ich glaube, dann hätte die Rasse wieder hervorgebracht werden können. Das letzte Tier meines damaligen Bestandes, eine Henne, befindet sich jetzt im Museum, des National History Vereins in Dublin.(Dieses ausgestopfte Tier wurde später bei einem Feuer, das in diesem Museum ausgebrochen war, vernichtet. v.G.) Ihre Haube ist schwarz, wie auch einige ihrer Halskragenfedern. Die Leute, die zuletzt die weißen Schwarzhauben in Irland hatten, waren Abkömmlinge französischer Hugenotten , in Portarlington und Mayborough, was mich dazu bringt, zu behaupten, dass die Rasse aus Frankreich und nicht aus Holland gekommen ist.“ - soweit Mr. B. Palmer Williams.Nun Mr. Tegetmeier, der Verfasser der damaligen Auflage <Poultry Book>, versucht viele Jahre, diese Rasse durch Kreuzung mehrerer Haubenhuhnarten wieder herauszuzüchten. Der Versuch blieb nur ein Teilerfolg. Der Züchter beklagte, dass man jeden Federwechsel die Hauben mehr an weißen Federn zunahmen. Schade, er schien dem Ziel nahegekommen zu sein; es fehlten wohl noch einige Jahre der strengeren Zuchtauswahl.

Etwa zur gleichen Zeit hatte ein Pfarrer Blume aus Harzgerode schwarze Hühner mit weißer Haube, die er „Türkische Hühner“ nannte, und ebensolche züchtete Zuchtfreund Bruskog, der ehemalige Vorsitzende des Wiener Geflügelzuchtvereins.

0,1 Holländer Schwarzhauben, gezeigt 2016, Deutsche Junggeflügelschau Hannover


Verschiedene Zuchtversuche im 1900 Jahrhundert.
Mit dem Eintritt ins 19. Jahrhundert gab es verschiedene Zuchtversuche. Wie C.S.Th. van Gink berichtete, befassten sich etwa ab 1907 zwei Liebhaberzüchter und Forscher von Zucht-und Vererbungslehre, R. Houwink, Meppel, ein vergessener Förderer der damals selten gewordenen altholländischen Hühnerrassen, und A. Hoogendijk, ein reicher Schiffseigner und Besitzer einer Geflügelzuchtanlage mit der Wiedererzüchtung der Schwarzhaubenhühner. Sie nutzten Houdan, weiße Brabanter und schwarze Holländer-Weißhauben, (Ob es nicht rein schwarze Haubenhühner waren, sozusagen schwarze Paduaner ohne Bart?)

Diese Variante wurde früher auch gezüchtet und es gibt sie derzeit zumindest noch in Dänemark.) A. Hoogendijk ein bekannter und erfolgreicher Züchter von Holländer Weißhauben und Erzüchter der schwarzen Zwergenform. Schon 1910 erhielten sie einige Tiere mit dunkler Haube und fast weißem Körpergefieder. Sie kamen aber ihrem eigentlichen Ziel nur wenig näher und gaben den Versuch etwa um 1916 auf. Der Vererbungsforscher Dr. Vriesendorp zu Baarn griff den Versuch nochmals auf und kreuzte in den Hoogendijk- Houwink-Stamm verschiedene andere Rassen ein. Er hatte einigermaßen Erfolg. Die Hauben waren etwas klein, aber dicht und satt in der Farbe. Außer den Weißen mit schwarzer Haube fielen auch ordentliche blaue und gelbe Tiere mit schwarzer Haube. Diese Farbenschläge sind auch jetzt noch in Holland anerkannt. Da es diesem Mann hauptsächlich an der genetischen Seite des Versuches lag, gab er die Zucht wieder auf.

J.van Omme zu Arnheim, weniger Genetiker als mit großen praktischen Zuchtkenntnissen ausgestattet befasste sich drei Jahrzehnte mit dieser Zucht. Er nutzte Lakenfelder, schwarze Holländer Weißhauben und silberschwarzgetupfte Eulenbarthühner (diese haben einen fast schwarzen Kopfbereich). Obgleich dieser beharrliche Züchter über beschränkte Aufzuchtmöglichkeiten wie seine wissenschaftliche gerüsteten Vorgänger verfügte, kam er dem hochgesteckten Ziel näher. In seiner Zucht fielen auch weiße Tiere mit blauer Haube. J. van Omme muss ein bemerkenswerter Mann und ein geradezu begnadeter Züchter gewesen sein. Er hat auch für die Zucht und Erhaltung des Eulenbarthuhnes Großes geleistet. Nach dem 2. Weltkrieg zeigt Dr. Vriesendorp mehrfach außer Konkurrenz bei der Ornithophilia und bei der Avicultura-Schau in kleinen Kollektionen Holländer-Schwarzhauben von beachtlicher Qualität. Sie sind in Holland unter diesem Namen eine anerkannte Rasse. Inzwischen ist es aber wieder, still geworden um diese Rasse. Sie ist seit 1999 im Standard anerkannt.

Diese Zucht hat sich eben als überaus schwierig erwiesen und wird in ihrer Idealvorstellung immer eine Utopie bleiben. Es müssen mehrere Zuchtstämme gehalten und eine Vielzahl von Küken erbrütet und aufgezogen werden, um eine entsprechende Auslese vornehmen zu können. Als brauchbare Tiere bleibt nur ein kleiner Prozentsatz. Auch die besten Exemplare haben noch immer noch kleinere Hauben als ihre entgegengesetzt gefärbten Vettern. Die Farbe ist selten wirklich satt, die Haubenfedern sind oft nach dem Grund hin aufgehellt und zeigen vielfach weiße Spitzen. Je größer die Hauben sind, umso heller sind sie leider auch. Die Farbe beschränkt sich nicht nur auf die Haube und greift immer etwas in Nacken und Hals über. Nur ganz selten sind Rumpf- und Schwanzgefieder einigermaßen frei von Schwarzeinlagerungen. Es gibt auch Tiere, die den Bart als Erbe der Paduaner übernommen haben. Sie werden in Holland als „Mohrenkopf-Paduaner“ ausgestellt.
Als Zeichnungsfarbe kommt auch blau vor, und in dieser Farbe fielen interessanterweise bisher die besten Hennen.

1,0 Holländer Schwarzhauben, gezeigt 2016, Deutsche Junggeflügelschau Hannover
Holländer Schwarzhauben von Patrick Tolle
Die Schwarzhaubenzucht bedarf großer Idealisten mit einem Höchstmaß an Geduld und Ausdauer. Ihren wenigen Züchtern gebührt Hochachtung.

Aus vergilbten Blättern hies eine Serie über die seltenen Hühnerrassen, von unserem Ehrenvorsitzenden K. Fischer. Roland Weber hat den Werdegang (Erzüchtung) der Holl. Schwarzhauben geschrieben. Wir hatten 1999 die ersten Bruteier aus den Niederlanden, von Zfrd, Nyhof bekommen .die Befruchtung u. Schlupf war sehr gut.

Beitrag von Jürgen Käs